Die Sauna Charaktere

von Matthias Harnick am 25/11/2013

Sauna Charaktere Als leidenschaftlicher Saunagänger habe ich über die Jahre viele skurrile und faszinierende Dinge beim Besuch verschiedener Wellnessbereiche beobachten können. Ich saß mit Saunaweltmeistern, blutigen Amateuren, lebenden Schweiß-Wasserfällen und Wüste-Gobi-Repräsentanten zusammen.

Für die einen mag der Besuch des Wellnessparadises ein Stück weit übertriebener Exhibitionismus sein und Glanz+Körper verpacken sie besser als diverse orientalische Völker ihre Frauen. Für die anderen ist es gleichzusetzen mit dem Besuch eines FKK-Strandes und dem Motto “bloß nicht nichts zeigen” oder “eins, zwei, drei: Unterkörper frei”.

Die Sauna-Charaktere

Wer die Sauna besucht muss die Bewohner dieses Trocken-Feuchtgebietes kennen wie seine Westentasche. Ich unterscheide verschiedene Charaktere:

Der Ureinwohner

Diese Spezies, meist hohen Alters, erkennt man an der pergamentartigen, in sich zusammengefallenen Haut, der starren und hochkonzentrierten Gesichtslandschaft, dem langsamen Gang und nicht zuletzt dem spärlich unproportionierten Körper, der sich bestens an die ca. 150.000 Saunagänge angepasst hat. Diese Menschen wären in der Lage eine authentische Reise Moses durch die Wüste in Theatermanier nachzuspielen ohne einen einzigen Schluck kühles Nass zu verköstigen. Ihr Ruhepuls beträgt 15 und auf dem Nachhauseweg wird selbst im Sommer Gebrauch von der Automobilheizung gemacht. Der Lebenspartner – falls vorhanden – ist meist mit von der Partie und wenn nicht, hat er/sie nach Ankunft des Ureinwohners bereits eine glühend heiße Bettflasche bereitgestellt. Man hat regungslose Sauna-Ureinwohner gesehen, die das Umdrehen der Sauna-Sanduhr an die 15 mal vermochten. In der Sauna kommt man nur mit Sondergenehmigung an ihnen vorbei die sich durch leises Grunzen oder Zuckungen bestimmer Körperpartien bemerkbar macht. Bei völliger Regungslosigkeit sollten sämtliche Alarmglocken klingeln: Der Ureinwohner befindet sich möglicherweise in einer Phase unkontrollierbarer Entspannung und ein “Aufwecken” könnte fatale Folgen haben. Sollte man aus versehen in Körperkontakt mit dem Ureinwohner gelangen, erlangt man gegebenenfalls Unsterblichkeit, denn der Mikroorganismus, der sich auf deren Haut gebildet hat konnte schon in Ansätzen im Innenraum des heiligen Grals nachgewiesen werden. Ureinwohner meiden Ruheräume. Stattdessen suchen sie zur Entspannung eine 20 Grad kühlere Sauna auf.

Der Anfänger

Der Sauna Anfänger – meist jungen Alters – hat wenig Erfahrung mit dem Sauna-Ritual. Ängstlich und meist ohne die vorgeschriebenen Badelatschen (weil: vergessen) bewegt er sich durch das unsichere Terrain. Er fühlt sich stets von Ureinwohnern beobachtet und hat Angst einen entscheidenden Fehler zu machen. In der Sauna sitzt er stets aufrecht und verlässt nach wenigen Minuten den Raum, da sein Kopf schnell die Form eines Heißluftballons und die Röte der Lavasteine angenommen hat. Meist vergisst er das vorherige Abduschen, was von Ureinwohnern mit müden, bestimmenden Kommentare gnadenlos geächtet wird. Das Passieren in die oberen Regionen der Sauna bleibt im durch missachtende Blicke anderer Saunabewohner verwehrt. Man erkennt ihn auch an kecken Kommentaren wie “ganz schön heiß hier”, “puhhhh” oder “jetzt aber raus”. Oft macht er den Fehler, dass er fließend von einem Saunagang zum nächsten wandert ohne die erforderlichen Ruhepausen einzuhalten. Somit kommt es zu einem Teufelskreis aus immer kürzer werdenden Saunabesuchen und Ruhepausen weshalb es nicht verwunderlich ist, dass man den Anfänger während des eigenen Saunrituals mehrmals kommen und gehen sieht.

Die Labertasche

Auch diese Spezies ist kein seltener Bewohner eines Sauna-Paradises. Diese, meist erfahrenen Saunagänger, setzen das Sauna-Ritual mit dem Besuch eines Debattierclubs gleich. So sorgen sie zwar stets für die Unterhaltung der Anfänger, werden aber von den Ureinwohnern innerlich gehasst, da sie viele Geschichten die die Labertasche zu erzählen hat bereits zum vierzigsten mal ertragen müssen. Das Themenspektrum der Labertasche reicht über Sport, Familie, die neusten Saufgeschichten bis hin zu detaillierten Beschreibungen der Leberzirrhose oder der neusten Hämorrhoiden-Kur. Erfahrene Saunagänger timen ihre Besuche stets so, dass sie der Labertasche aus dem Weg gehen. Anfänger dagegen suchen ihre Nähe, da durch sie ein Stück weit Unsicherheit genommen wird und die Wohlfühlatmosphäre steigt. Über einen Saunatag verteilt pendelt sich so eine Symbiose aus Anfängern und Labertaschen sowie Ureinwohnern und Standard-Saunagängern ein. Gelegentlich, z.B. zu Aufgusszeiten, vermischen sich die Charaktere was oft fatale Folgen haben kann.

Der Sauna-Polizist

Die mit Abstand nervigste Spezie des Sauna-Paradises. Während sich der Ureinwohner zwar auch gelegentlich in das strickte Einhalten der Sauna-Regeln einmischt, ist der Sauna-Polizist meist eine Mischung aus Labertasche und blutigem Anfänger. Sauna-Polizisten besuchen eher unregelmäßig die Sauna, sind aber mit Hilfe ihre umfassenden Sauna-Bibliothek über sämtliche ungeschriebenen und geschriebenen Regeln informiert. Sauna-Polizisten besuchen die Sauna nicht zur Erholung, sondern um ihrem Drang nach Anerkennung und Macht – den sie zu Hause selten entfalten können – nachzukommen. Beim Aufguss sitzen sie in forderster Front, beobachten akribisch den Türgriff und schreien lauthals “AUFGUSS” sobald er sich bewegt. Im Ruheraum dulden sie keinerlei Konversation. Nicht abgeduschte Anfänger werden beim Bademeister oder der Saunaleitung verpetzt. Berührt auch nur der große Zeh das sterile Saunaholz, wird lauthals darauf hingewiesen, dass ein Handtuch unterzulegen sei.
Stets weisen sie auf ausreichenden Konsum von Flüssigkeiten hin und schämen sich nicht, selbst Ureinwohnern das Sauna-Ritual näherzubringen. Selbst werden sie von allen Sauna-Charakteren gehasst. Anerkennung suchen sie bei Labertaschen, die sie durch eigene Klugscheißereien herausfordern. Trotz allem haben sie ein Vorteil: sie halten die Sauna frei von Amteuren und solchen die mit den Saunaregeln

Der Kenner

Hier wollen wir hin, liebe Leser. Der Kenner ist zum einen Leser dieses Blogs und zum anderen ein gewiefter Saunagänger, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. Er nutzt die Gunst der Labertasche zur eigenen Unterhaltung und hält sich mit überflüssigen Kommentaren bedeckt. Er erntet stillen Respekt von Ureinwohnern wenn er sich an die gängigen Saunaregeln hält. So ist ihm stets auch das Passieren in die oberen Saunaregionen gestattet. Sauna-Polizisten meiden es, den Kenner zurechtzuweisen, da er durch heimliche Verbündung mit den Ureinwohnern eine starke Armee von Sauna-Fetischisten hinter sich hat. Kleinere Fehler werden ihm daher verziehen.
Kenner planen stets genügend Zeit für den Saunabesuch und zelebrieren die Ruhepausen zwischen den Gängen mehr als das eigentliche Ritual. Aufgüsse überstehen sie stets in voller Länge und zollen dem Aufgussmeister Respekt, indem sie im Anschluss applaudieren.


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